Die Festetics

Die Familie Festetics ist eine der bedeutendsten gräflichen dann fürstlichen Familien von Ungarn. Die Familie stammt aus Kroatien, seit dem 17. Jh. leben sie in Ungarn. 1739 kaufte Christoph Festetics (1696-1768) den Keszthelyer Besitz. Er begann mit dem Bau des Schlosses 1745, nachdem er Keszthely zu seinem Sitz gewählt hatte. Zur Verbesserung der medizinischen Versorgung ließ er eine Apotheke und ein herrschaftliches Krankenhaus einrichten.

Der Sohn von Christoph, Paul III. (1722-1782) war Hof- und Kanzleirat der Königin Maria Theresia. 1762 erhielt er eine Berufung an die Hofkammer, und als Vertrauter arbeitete er die Grundlagen des „Urbariums”, das die Lasten der Leibeigenen milderte. 1772 erhielt er den Grafentitel und wurde zum Stellvertreter der Ungarischen Kammer sowie zum Geheimrat ernannt. Neben seinen politischen Tätigkeiten hat er in Keszthely die erste Grund- und Mittelschule ins Leben gerufen.

Georg I. (1755-1819), der Sohn von Paul, ist das bedeutendste Mitglied der Familie. 1797 gründete er das Georgikon, die erste landwirtschaftliche Hochschule Europas. Er ließ das erste große Segelschiff auf dem Balaton, die Phoenix bauen. Er war Förderer und Mäzen der Kultur: zum Schloss wurde der Bibliotheksflügel angebaut, sammelte die erschienenen Bücher; 1817 veranstaltete die ersten Helikon-Feierlichkeiten, an denen namhafte Dichter und Schriftsteller teilnahmen; in Csurgó gründete er ein Gymnasium.

Tassilo II. (1850-1933), der Urenkel von Georg I. übertraf seine Vorfahren im Rang: er wurde kaiserlicher und königlicher Hofrat, Geheimrat, Oberhofmeister. Durch das Eheschließung mit der englischen Herzogin Mary Hamilton kam er in verwandschaftliche Beziehung zu westeuropäischen Herrscherhäusern. 1911 erhielt er vom Kaiser Franz Joseph den Herzogstitel.

Der Sohn von Tassilo, Georg III. (1882-1941) und seine Familie waren die letzten Bewohner des Schlosses. Seine Frau Maria Haugwitz, eine polnische Gräfin, und sein Sohn, Georg IV. (1940-) haben das Schloss 1944 verlassen.